{"id":2624,"date":"2019-06-29T01:24:15","date_gmt":"2019-06-28T23:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.progruen-paderborn.de\/pgpb\/?p=2624"},"modified":"2019-12-15T02:01:51","modified_gmt":"2019-12-15T01:01:51","slug":"resolution-nabu-paderborn-29-juni-2019","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/neu.progruen-paderborn.de\/pgpb\/resolution-nabu-paderborn-29-juni-2019\/","title":{"rendered":"Resolution Nabu Paderborn, 29. Juni 2019"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: center;\">Resolution des NABU Kreis Paderborn zu den Problemen der Massentierhaltung und Intensivlandwirtschaft im Kreis Paderborn<\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\">verabschiedet auf der Jahreshauptversammlung am 29. Juni 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Pr\u00e4ambel f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Das dramatische Artensterben in der Agrarlandschaft findet auch im Kreis Paderborn statt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der Wandel hin zu einer naturvertr\u00e4glichen Landwirtschaft ist bei uns \u00fcberf\u00e4llig.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wir fordern die Landwirte im Kreis Paderborn auf, eine fl\u00e4chengebundene Tierhaltung zu betreiben, die die einzelbetrieblichen Tierbest\u00e4nde auf maximal 1,8 Gro\u00dfvieheinheiten pro ha begrenzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir fordern<\/strong> den Kreis Paderborn, die Kommunen und die Kirchen auf, ihre landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen nur noch an Landwirte zu verpachten, die maximal 1,8 Gro\u00dfvieheinheiten pro ha halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir fordern<\/strong> die Landwirtschaftskammer auf, viehintensive Betriebe zu kontrollieren, ob die geltende D\u00fcngeverordnung eingehalten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir fordern<\/strong> die Verb\u00e4nde der Wasserwirtschaft im Kreis Paderborn auf, effektive Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die Nitratbelastungen im Grundwasser zu verringern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir fordern<\/strong> den Kreis Paderborn auf, Naturschutzgebiete effektiv vor Emissionen aus G\u00fclle und Pestiziden aus der Intensivlandwirtschaft zu sch\u00fctzen, weil sie den Artenschutz in den Naturschutzgebieten gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir fordern<\/strong> alle Kommunen des Kreises Paderborn auf, dass ihre Wegr\u00e4nder nicht mehr illegal durch Landwirte bewirtschaftet werden, sondern durch Pflegema\u00dfnahmen wieder zu bl\u00fctenreichen Feldrainen entwickelt werden (M\u00e4hen statt Mulchen).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir fordern<\/strong> den Kreis Paderborn, die Kommunen und die Kirchen auf, dass sie ihre Fl\u00e4chen nur an Landwirte verpachten, die gem\u00e4\u00df den anerkannten Anbauverb\u00e4nden \u00f6kologisch wirtschaften. Die Ausbringung von G\u00fclle, Kunstd\u00fcnger und G\u00e4rsubstrat sowie von Pestiziden ist auf diesen Fl\u00e4chen zu verbieten und bei der Bewirtschaftung haben Erhalt und F\u00f6rderung der Biodiversit\u00e4t sowie der Schutz von Grund-und Trinkwasser Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Begr\u00fcndung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Folgen der Intensivlandwirtschaft und Massentierhaltung wirken sich immer st\u00e4rker auf alle Bereiche von Natur und Umwelt aus, so dass auch die Menschen im Kreis Paderborn diese Entwicklung sp\u00fcren:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Monokulturen, namentlich Mais und Raps, haben in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Beide Pflanzen dienen als Tierfutter und zum Betreiben von Biogasanlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Massentierhaltung hat sich im gleichen Zeitraum stark intensiviert, was sich anschaulich an den Zahlen der Schweine aufzeigen l\u00e4sst: Bei Abnahme der Zahl der Schweinemastbetriebe um 90 % in den letzten 25 Jahren, allein seit 2007 um mehr als 50%, hat im gleichen Zeitraum die Anzahl der Tiere aber um fast 20% zugenommen. Aus diesen Zahlen geht eine immense Konzentration der Tiere pro Betrieb hervor, was sich nur als industrialisierte Massentierhaltung beschreiben l\u00e4sst, wobei der Kreis Paderborn ein Zentrum in OWL ist. Das Futter besteht zum gro\u00dfen Teil aus Soja aus \u00dcbersee, wird also nicht \u00fcber die hiesigen Fl\u00e4chen erwirtschaftet. Diese Tiere produzieren in der logischen Folge eine enorme Menge an Kot und Harn, also G\u00fclle, die auf die \u00c4cker und Wiesen im Kreis entsorgt werden, noch verst\u00e4rkt durch G\u00fclleimporte u.a. aus Holland.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Konsequenz ist der Anstieg der Konzentration von Nitrat in Grund-und Quellwasser bis hin zum Trinkwasser sowie in den B\u00e4chen und Fl\u00fcssen des Kreises. So weisen die Quellen von Lippe, Pader und Rothebach eine Nitratkonzentration von deutlich \u00fcber 20 bis 50 mg pro Liter auf. Alle Quellen des Rothebachs \u00fcbersteigen bereits den Schwellenwert von 37,5 mg\/l, an dem Gegenma\u00dfnahmen einzuleiten sind. Ihr Wasser entstammt dem Paderborner Karst, der nur eine geringe Filterwirkung hat und unter der intensiv bewirtschafteten Paderborner Hochfl\u00e4che liegt. Im Verlauf der Flie\u00dfstrecke nehmen unter dem weiteren Einfluss der Landwirtschaft die Nitratgehalte sogar noch deutlich zu. Zusammen mit dem aus der D\u00fcngung stammenden Phosphat f\u00fchrt dies zu einer Eutrophierung mit allen ihren negativen Folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Nitratkonzentration ist gleichzeitig ein Indikator f\u00fcr die landwirtschaftliche Belastung der Gew\u00e4sser, bei nachhaltiger Landwirtschaft w\u00fcrde sie deutlich unter 10 mg pro Liter liegen. Noch in den 1980er Jahren wurden in den Paderquellen nur 6 mg Nitrat pro Liter gemessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mittlerweile ist das bislang so gepriesene Paderborner Trinkwasser ernsthaft gef\u00e4hrdet, mit 15 mg Nitrat pro Liter Diebeswegwasser (Analysewert 2019) bei steigender Tendenz ist es f\u00fcr Babys nicht mehr geeignet (Grenzwert 10 mg\/l), noch Ende der 1980er Jahre waren es 6-7 mg\/l.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Auswirkung der Intensivlandwirtschaft erstreckt sich sowohl auf das Ackerland als auch auf das sogenannte Gr\u00fcnland; beide werden oft bis \u00fcber die Weggrenzen hinaus genutzt. Artenreiche bunte Wiesen mit Kr\u00e4utern bzw. Blumen gibt es heute im Kreis Paderborn h\u00f6chstens noch als Relikte in extensiv bewirtschafteten Naturschutzgebieten. Durch \u00dcberd\u00fcngung und Herbizide wurden sie zu monotonen Gr\u00fcnlandsteppen, die nur noch aus wenigen Grasarten bestehen. Brachfl\u00e4chen im landwirtschaftlichen Raum, fr\u00fcher R\u00fcckzugsgebiete f\u00fcr viele Pflanzen-und Tierarten, sind auch im Kreis Paderborn der Intensivnutzung zum Opfer gefallen. Auf solchen Industriegrasfl\u00e4chen h\u00f6rt man kein Zirpen von Heuschrecken, dort fliegt kein Schmetterling und keine Biene, dort ist das Artensterben Realit\u00e4t. Mit den Insekten verschwinden auch die V\u00f6gel. Die Brutpaarzahlen der Vogelarten agrarisch genutzter Fl\u00e4chen sind dramatisch zur\u00fcckgegangen und bei einer Reihe von Arten weniger als halb so gro\u00df wie vor 25 Jahren. Fr\u00fcher h\u00e4ufige Arten wie Kiebitz und Feldlerche drohen zu verschwinden. Der \u201estumme Fr\u00fchling\u201c ist hier bereits Wirklichkeit. Der Kreis Paderborn ist Teil der weltweiten Biodiversit\u00e4tskrise. Die \u00fcber Jahrhunderte entstandene artenreiche Kulturlandschaft ist dabei zu verschwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Auswirkungen der Intensivlandwirtschaft erstrecken sich \u00fcber die eigentlichen landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen hinaus auf den Boden einschlie\u00dflich des Paderborner Karsts, Grundwasser einschlie\u00dflich Trinkwasser, Quellen, B\u00e4che, Fl\u00fcsse und Stehgew\u00e4sser. Es gen\u00fcgt nicht, Artenschutz nur auf die Naturschutzgebiete zu beschr\u00e4nken. Die Intensivlandwirtschaft beeinflusst mit Emissionen aus G\u00fclle und Pestiziden auch diese Gebiete und f\u00fchrt hier zu drastischen Verlusten der Biodiversit\u00e4t, aufgezeigt u.a. durch die Krefelder Untersuchung zum Insektensterben. Die Ausbringung von G\u00fclle muss deutlich reduziert werden, damit die Nitratkonzentration in Grund-und Trinkwasser, Quellen, B\u00e4chen und Fl\u00fcssen abnimmt; dies h\u00e4tte auch positive Auswirkungen auf die Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Resolution des NABU Kreis Paderborn zu den Problemen der Massentierhaltung und Intensivlandwirtschaft im Kreis Paderborn verabschiedet auf der Jahreshauptversammlung am 29. Juni 2019 Pr\u00e4ambel f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft Das dramatische Artensterben in der Agrarlandschaft findet auch im Kreis Paderborn statt. Der Wandel hin zu einer naturvertr\u00e4glichen Landwirtschaft ist bei uns \u00fcberf\u00e4llig. 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