Passivhausbauweise rechnet sich – Faktencheck

Passivbauweise-visuellPro grün reagierte im Anschluss an die Ratssitzung am 30.01.2020 mit einer Mail an alle Fraktionen im Paderborner Stadtrat:

In der Ratssitzung am 30.1.2020 wurde von Stephan Hoppe („FÜR PADERBORN“) die Behauptung aufgestellt, die Passivhausbauweise würde 10 – 20 % Mehrkosten auslösen.

In unten auszugsweise dargestellter Mail an pro grün belegt Dr. Ing. Bernd Steinmüller, dass diese Behauptung völlig aus der Luft gegriffen ist. (Dazu 3 Anlagen).

Pro grün Vorsitzender Dieter Dubisch: „Ich bedauere diesen Vorgang vor allem, da wir im Vorfeld der Ratssitzung umfangreiche Informationen an alle Fraktionen geschickt haben. Wir haben besonders auf die Wirtschaftlichkeit hingewiesen. Lediglich die SPD und B90/Die Grünen haben unser Informationsangebot angenommen“. Dieter Dubisch bekräftigt nochmal das Angebot, dass Pro grün e.V. weiterhin allen Fraktionen für Gespräche bereit steht.


 

Auszug aus der Mail von Dipl.-Phys. Dr.-Ing. Bernd Steinmüller:

„..Sozialwohnungen in Passivhausbauweise gibt es übrigens bei uns in der Nähe in Kassel Marbachshöhe … Im Oktober habe ich sie auch in China besichtigen können.

Wirklich „irre“, dass den behaupteten Mehrkosten von 10 bis 20% im Rat gestern keiner widersprochen hat, obwohl seit langem bekannt ist, dass Passivhäuser „nicht nur die günstigste ökologische, sondern auch die günstigste ökonomische Lösung sind…“ interessant für die CDU? Die FDP?

Siehe hierzu auch umfangreiche Hamburger Baukosten-Studie, die ich ebenfalls anfüge … zusammen mit aktualisierten Folien des früheren Frankfurter Klimareferenten Prof. Axel Bretzke, in der auch die Kosten von Bürogebäuden dargestellt sind. Mit ihm hatte ich übrigens vor rund 10 Jahren auf Einladung von Frau Voß/Herrn Hermann eine Weiterbildungsveranstaltung im GMP durchgeführt. Möglicherweise In Vergessenheit geraten.  …

Bereits die gemischte Niedrigenergie-/Passivhaussiedlung in Wiesbaden-Lummerlund (die ich am IWU wissenschaftlich mitbetreut und evaluiert habe) Mitte der neunziger Jahre,  vor fast 25 Jahren zeigte, dass schon bei Einfamilienreihenhäusern die MehrINVESTITIONEN (NICHT DIE KOSTEN!!!) kleiner als 10% sind.

Auch die Stadt Frankfurt erkannte zu Beginn des Jahrtausends – vor gut 15 Jahren (!) –, dass die MehrINVESTIONEN allenfalls im Bereich weniger Prozente lagen und im Vergleich mit Streuungen übriger Baukosten völlig in der Streuung untergehen … wie in der kürzlichen Hamburger Studie bestätigt (siehe hierzu auch erste Folie im Bretzke-Foliensatz).

Nun sind die Investitionen ja oft sogar nur der kleinere Teil der Gesamtkosten, werden mit diesen aber gern fälschlicher Weise gleichgesetzt (auch im Rat? … siehe Bürgerdialog).

Dabei wird im Passivhaus bereits auch ein Teil der Mehrinvestitionen für Dämmung durch deutliche Einsparungen am Heizsystem kompensiert

  • kein konventionelles Heizsystem nötig,
  • kleinere Erzeuger,
  • kleineres, einfacheres Verteilsystem,
  • weniger/keine Heizkörper etc. etc.)
  • und oft auch intelligentere Gesamtplanung.

Dies erklärt, dass bereits die investiven Kosten für Passivhausbauweise oft nicht höher als die eines konventionellen Gebäudes sind.

Da die allenfalls geringen Mehrinvestitionen aber durch deutliche Heizkostenersparnisse (Passivhäuser 4 mal energieeffizienter als typische ENEV-Neubauten)mehr als überkompensiert werden, führt das unterm Strich sogar nicht zu MEHR sondern zu MINDERkosten …. Und das nicht erst seit wenigen Jahren, sondern seit 2 Jahrzehnten. ….“

Dr. Bernd Steinmüller,  BSMC, Sustainability Management Consulting, Paderborn, (https://www.bsmc.de).