Investitionsentwicklung auf Alanbrooke zeigt: Neubaugebiet Winkelland in Paderborn überflüssig. Pressemitteilung.

pro gruen-Petra Solscheid, Fritz Buhr, Dieter Dubisch

v.l.: Petra Solscheid, Fritz Buhr, Dieter Dubisch

Investoren für das Alanbrooke-Areal geben ihre Vorhaben entweder auf oder finden keine Interessenten für bereits fertige Eigentumswohnungen. Dagegen findet das Angebot von bezahlbarem Wohnraum der kommunalen Wohnungsgesellschaft Paderborn (WGP) eine hohe Nachfrage. Die Wohnraumentwicklung auf Alanbrooke bestätigt damit diverse Gutachten zum Paderborner Wohnungsmarkt: Wohnraum im bezahlbaren Segment ist Mangelware.

Die Nachfrage nach Wohneigentum ist aufgrund der Baukostenentwicklung stark gesunken. Investoren im Mietwohnungsbau sind aufgrund der aktuell schwierigen Lage bereits jetzt zurückhaltend und dieser Trend wird sich in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise noch verstärken.
Unter diesen Bedingungen muss nach Ansicht von Pro Grün die weitere Planung für Winkelland aufgegeben werden.

Statt ökologisch hinterfragbarer und für den städtischen Haushalt belastende Erschließungen auf der grünen Wiese sollten die innerstädtischen Potentiale auf den Konversionsflächen Alanbrooke und Barker für die große Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum genutzt werden. Unbebaute Grundstücke im Stadtbereich, die aus Spekulationsgründen in Erwartung steigender Bodenpreise zurückgehalten werden, müssten durch die Mittel, die das Baugesetz vorsieht, mobilisiert werden. Das Instrumentarium dafür ist vorhanden, es fehlt nur der politische Wille es anzuwenden.

Auch vorhandene und absehbare Leerstände müssten durch die Stadt Paderborn in ihren Potentialen für bezahlbaren Wohnraum analysiert und aktiviert werden. Dazu Pro grün Vorsitzender Dieter Dubisch: “Das Potential an leerstehenden bzw. fehlbelegten Wohnungen ist wesentlich größer als die geplanten Wohnungen im Winkelland. Vorrangig müsste dieses Potential genutzt werden.“

Angesichts der Haushaltslage müsse die städtische Investitionsplanung für Winkelland gestoppt werden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Petra Solscheid fordert darüber hinaus: “Für die auf dem freien Markt nicht vermarktbaren Flächen auf dem Alanbrooke-Areal könnte sowohl mit genossenschaftlichen, gemeinwohlorientierten Wohnangeboten als auch – über die WGP – mit Wohnraum im unteren Preissegment des Paderborner Wohnungsmarktes reagiert werden.“ Dadurch könnte nicht nur ökologisch sinnvoll flächensparend sondern auch für die Stadt kostensparend sozialverträglich dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden.

Statt Ausweitung im Außenbereich fordert Pro Grün ein ökologisch verantwortbares intelligentes Management für den Paderborner Wohnungsmarkt entsprechend den Wohnbedarfen und den innerstädtischen Flächenpotentialen.

Hintergrund:
Pro grün hat im Rahmen der frühzeitigen Offenlegung bereits am 3.5.2023 – zusammen mit BUND, NABU und dem Naturwissenschaftlichen Verein Paderborn – formgerecht Einspruch gegen den Bebauungsplan Winkelland eingelegt. Diesen Einspruch gegen die Ausweisung eines neuen Wohngebietes stadtauswärts an der Detmolderstraße hält pro grün weiterhin aufrecht, auch wenn Verwaltung und Rat unseren Argumenten mehrheitlich nicht gefolgt sind. Wir halten es weiterhin nicht für verantwortbar 6,6 Hektar wertvolles Ackerland am Stadtrand zu bebauen während gleichzeitig u. a. auf dem Alanbrooke und Barker-Gelände 72 Hektar noch zur Wohnbebauung zur Verfügung stehen.

Wenn wir in dieser Weise fortfahren, mit der nicht erneuerbaren Ressource Fläche umzugehen, werden wir nicht das von der EU 2021 übernommene Ziel der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie erreichen können. Im Jahr 2021 lag der tägliche Flächenverbrauch in der Bundesrepublik bei 55 Hektar. Wir haben uns verpflichtet, diesen bis 2030 auf täglich 30 Hektar zu reduzieren um bis 2050 auf Netto-Null zu kommen.

Dazu Fritz Buhr: „Durch das Freiwerden der großen ehemals militärisch genutzter und bebauter Flächen im Stadtgebiet hat Paderborn die einmalige Chance seinen Beitrag zur Erreichung des Netto-Null Ziels zu leisten. Sie zu nutzen ist unsere Verpflichtung.“

Dieter Dubisch,

1. Vors. Pro grün e.V. Paderborn