Leserbrief zum Artikel in der Neuen Westfälischen vom 11.12.2019 zum Thema: „Umweltverbände enttäuscht von Bauern“

In dem Artikel weisen die Umweltverbände auf den ständig steigenden Nitratgehalt des Brunnenwassers der Boker Heide hin, und warnen davor, dieses Wasser zur Zubereitung von Säuglingsnahrung zu verwenden. Der vom Bundesumweltamt empfohlene Grenzwert von 10 Milligramm pro Liter werde deutlich überschritten. Dies allein ist schon alarmierend, aber noch gefährlicher ist die Belastung unserer Gewässer mit sogenannten antibiotikaresistenten Keimen. Diese Keime können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, die schwer zu behandeln sind. Und die Zahl der Infektionen durch solche Erreger steigt. In Deutschland sterben Schätzungen zufolge mehrere tausend Menschen pro Jahr an Erkrankungen durch multiresistente Keime. Die Wissenschaftler vom Robert-Koch-Institut  haben in unseren Gewässern auch Erreger nachgewiesen, bei denen besonders wichtige Medikamente, sogenannte Reserveantibiotika, nicht mehr wirken. Und nun kommt das Allerschlimmste: Diese Reserveantibiotika werden neben den herkömmlichen Antibiotika laut Medienmeldungen ebenfalls in der Massentierhaltung eingesetzt. Das bedeutet das Ende der Antibiotika-Ära.

Man fragt sich als Verbraucher, wie konnte es dazu kommen und wer sind die Schuldigen für diese Entwicklung. Die Ursache liegt natürlich in der Gülleaustragung, über die diese Keime in die Gewässer gelangen. Aber ich sehe nicht die Landwirte als die Schuldigen. Sie sind, wie wir Verbraucher, Opfer einer vom Bauernverband angetriebenen Agrarindustrie, die ohne den massenhaften Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln und Antibiotika in der Massentierhaltung nicht funktioniert. Weitere Antreiber sind die großen Lebensmittelkonzerne wie Aldi, Lidl und Co. Durch deren dauernde Preisdrückerei zwingen sie die Landwirte zu einer gesundheitsgefährdenden Produktionsweise, die nur durch die massive Subventionspolitik der EU möglich ist. Dahinter steht neben dem Bauernverband die mächtige Pharmaindustrie, die mit gefährlichen Mitteln wie Antibiotika und Glyphosat Milliardengewinne erzielt. Politiker und Behörden sind in diesem Geflecht nur Marionetten. Neben der aus Umweltschutz- und Klimagründen dringend notwendigen Energiewende brauchen wir für unser Überleben ebenso dringend eine Agrarwende. Um dafür zu kämpfen, bietet sich die Berliner Grüne Woche (IGW) an, bei der alljährlich Großdemonstrationen auch unter Beteiligung von Landwirten mit ihren Traktoren stattfinden.

H. H. W.

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